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Rezension „Holly Bourne – Was ist schon typisch Mädchen?“

Der zweite Teil der Jugendbuchreihe „Spinster Girls“ dreht sich dieses Mal um die quirlige Lottie, welche den Traum hat, als Premierministerin die Gleichberechtigung für Frauen auf der Welt zu etablieren. Als sie jedoch auf der Straße selbst Opfer von Sexismus wird, beschließt sie, nicht länger zu warten und eine einmonatige Aktion zu starten. Bei dieser macht sie zusammen mit ihren Freundinnen auf jede sexuell diskriminierende Situation im Alltag aufmerksam. Allerdings merkt sie schnell, dass dies sich sehr viel schwieriger als erwartet gestaltet – das liegt unter anderem an Will, der das Projekt mit der Kamera begleitet und Feminismus eigentlich ablehnt. Ganz entgegen ihrer Prinzipien  fühlt Lottie sich trotzdem zu ihm hingezogen…

 

Wie auch schon der Auftaktband greift die Fortsetzung der Reihe erneut ein wichtiges Thema der heutigen Gesellschaft, den Sexismus und fehlende Gleichberechtigung, auf und vermittelt dieses sehr umfangreich dem Leser. 

 

Die Realisierung von Lotties Projekt wird detailliert und in einem lockeren Schreibstil beschrieben, da es auch im Roman hauptsächlich Leute ansprechen soll, welche sich des Sexismus der Gesellschaft nicht wirklich bewusst sind. So wird es dem Leser schon in den Grundzügen und –prinzipien verständlich nähergebracht und der folgende Plot hat die Möglichkeit, sich sehr durchdacht zu entwickeln. 

 

Die Gedankengänge und Handlungen der einzelnen Figuren, insbesondere Lotties bezüglich ihrer Ideen und Eingebungen zu ihrem Projekt, entfalten sich tiefgründig. Hierbei kratzt die Autorin nicht nur lediglich an der Oberfläche, sondern legt einen großen Schwerpunkt auf das Herausstellen der kleinen, unsichtbaren Punkte des Sexismus, auf die man als Leser, der sich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt, sehr wahrscheinlich nicht aufmerksam geworden wäre und legt diese entschlossen frei. Die wirklich sehr intensive Ausarbeitung hat eine eindrucksvolle Wirkung auf den Leser, wobei einem genau diese auch schon fast wieder etwas zu viel sein kann, wenn man sich mit Feminismus normalerweise nicht auseinandersetzt. 

 

Allerdings gibt es auch kleine Kritikpunkte: Lottie und Will kommen sich fast schon „nebenbei“ und etwas abrupt näher, vielleicht etwas zu nebensächlich und manchmal unschlüssig. Lotties Gedankengänge sind zwar grundsätzlich wie schon erwähnt intelligent und ausgefeilt, jedoch im Bezug auf Will ebenfalls etwas durcheinander, chaotisch und wechseln schnell ihre Richtung, was sich aber auch auf ihren impulsiven Charakter zurückführen lässt.

 

Als Fazit lässt sich definitiv sagen, dass das Buch für Leser mit einem großen Interesse am Thema sicherlich der perfekte Roman ist, der durchaus auch einem höheren Anspruch gerecht werden kann. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass dieses Thema sehr deutlich im Vordergrund steht und Anderes, wie zum Beispiel Freundschaften und die Liebe, umso mehr in den Hintergrund tritt. Mit diesem Buch sollte man sich selbst wirklich auseinandersetzen wollen, weshalb das Lesen auch mit etwas mehr Zeitaufwand verbunden sein kann. Doch auch wenn die Auseinandersetzung mit Feminismus für jemanden wie mich Neuland ist, kann man sich dennoch häufig mit den Charakteren identifizieren, sogar eigene Auffassungen durch ihre Argumentationen überdenken und seine Haltung zum Thema deutlich ändern. Das Lesen lohnt sich also in jedem Falle!

 

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